Wir gründen also ein Unternehmen

und es war eine gute Entscheidung

Tja, da haben wir den Salat, jetzt haben wir ein eigenes Unternehmen gegründet. So richtig mit „alles selber machen“. Keine erfahrenen Mitarbeiter oder Tutoren oder Chefs, die einem den Weg weisen. Wir werden vieles richtig, aber auch vieles falsch machen. Nun kennen wir drei uns auch privat, die Stimmung ist also harmonisch und ausgeglichen – so sind wir in der glücklichen Position, immer einen Rückhalt im Unternehmen zu haben. Vor allem wollen wir aber eines – Erfolg am Markt. Und dabei geht einem so mancher Gedanke durch den Kopf.

Selbstständig? Wow! Glückwunsch!

Ja. Glückwunsch. Klingt super, was? Wir sind „selbstständig“ und haben ein „eigenes Unternehmen“, das ist die positive Seite. Die negative ist jedoch, dass wir „selbstständig“ sind und ein „eigenes Unternehmen haben“. In der Außenwirkung klingt es natürlich erst einmal beeindruckend, dass man den Mut aufgebracht hat und nach Höherem strebt. Alle wünschen viel Erfolg und Glück und „Ihr schafft das schon“ und „Ich glaube an Euch“. Aber ebenso kribbelt es im Magen, wenn man sich vorstellt, dass Erfolg und Glück ausbleiben und aus „Ihr schafft das schon“ plötzlich ein „Das war wohl nichts“ wird. All in, wie es beim Pokern so schön heißt. Aber malen wir mal nicht den Teufel an die Wand, wir haben schließlich kein Start-Up gegründet, um damit wieder zu scheitern. Ganz im Gegenteil, wir wachsen mit jeder Herausforderung.

Altbekannte Dinge erreichen urplötzlich einen völlig neuen Stellenwert. Fangen wir mal bei den Kunden an. Als Angesteller eines Unternehmens erhält man eine Kundenbestandliste oder wenigstens einen etablierten Telefonleitfaden zur Akquise. Zusätzlich hat man mit dem Unternehmensnamen sowieso schon ein gewisses Standing am Markt, das die Kontaktaufnahme erleichtert. Als neues, noch unbekanntes Unternehmen? Fehlanzeige – gerade im B2B Bereich eine ziemliche Hürde.
Umso schöner ist das Gefühl, wenn Termine vereinbart wurden und man mit seinem Ansprechpartner an einem Tisch sitzt. Jeder Besuch fühlt sich wie ein kleiner Sieg an, alleine, weil viel Erklärungsbedarf und Überzeugungskraft dahinter steckt.

Dasselbe mit Werbung – Homepage, Blog, Social Media Aktivitäten. Man kann nicht einfach mal eben neue Prospekte von der Hauptzentrale anfordern. Alles wird selber gemacht, jeder Text eigenständig verfasst, jedes Thema eigenständig erdacht. Ob das alles gut ankommt, verraten erst im Nachhinein die Klicks und Kommentare. War es ein Schuss in den Ofen oder hat man gerade das Internet gewonnen?
Aber auch hier wieder das Gute daran – falls es diese Woche nichts war, ändern wir kommende Woche einfach den Kurs. Und man muss es auch mal so sehen – nur, weil ich Werbematerialien von der Hauptstelle erhalte, muss ich diese noch lange nicht für gut befinden. Wir identifizieren uns mit jedem eigens veröffentlichten Inhalt.

Mädchen und Jungs für alles

Und da hätten wir unsere Visitenkarten. Schöne Dinger, sehen gut aus, sehr angenehme Haptik. Auf meiner steht „Head of Marketing“ und auf Jacquelines`“Head of Sales“. „Blogschreibende IT-Vertriebsmarketingsau“ würde derzeit tatsächlich besser passen, liest sich nur nicht so schmissig. Jeder hat so sein eigenes Gebiet, laut Visitenkarte jedenfalls, doch sich gerade in der Gründungsphase darauf berufen? Das haut nicht hin, hier darf – hier MUSS jeder überall mal ran. Akquise, Außenauftritt, Telefonate, Kundenbetreuung, Texte – das alles sind wir und das alles ist jeder von uns.

Im Umkehrschluss jedoch gar nicht schlecht, wie sich herausstellt. Wir bilden uns durch die neuen Herausforderungen weiter und erhalten Einblicke in vorher fremde Gebiete, das schafft Selbstvertrauen. Ein weiteres Plus – wir wissen, wovon wir reden – weil wir alles mal selber gemacht haben. So kann sich jeder in den anderen hinein versetzen. Ganz wichtig für Aufgaben, bei denen man weiß, dass man selbst jetzt nicht so die Lust drauf gehabt hätte.

KIVI.one Feverstraße 52 58285 Gevelsberg
Wer macht was?

Der schnöde Mammon

Und dann war ja noch die Sache mit der Finanzierung. So ein neu gegründetes Unternehmen will ja schließlich bezahlt und ausgestattet werden. Keine Riesensprünge, etwas Einrichtung, Abdeckung der monatlichen Fixkosten mitsamt Gehältern, etwas Büromaterial, macht – eine ganze Stange Geld. Ach, kein Ding. Grundkapital wird ja bereits mitgebracht, der Businessplan liest sich ausgezeichnet (haben wir uns von mehreren Seiten bestätigen lassen) und unser Produkt erfüllt Notwendigkeiten am Markt. Wir dürften uns vor Finanzierungsangeboten kaum retten können. Abgesehen davon erstrebten wir ohnehin einen KfW geförderten Kredit. Kann nichts schief gehen.

Letztenendes hatten wir sehr viele Banktermine. Die Förderungsgeschichte war schnell vom Tisch. Solche Anträge werden ausschließlich direkt vom Kreditinstitut weitergeleitet. Jede Bank darf jedoch für sich entscheiden, ob sie dem auch nachkommt oder lieber einen eigenen Kredit vergeben will. Das erschwerte die Suche nach einer tragbaren Finanzierungslösung und so langsam gingen uns auch die Ansprechpartner aus. Dieser Blog ist jedoch nur einer der Beweise dafür, dass sich unsere Hartnäckigkeit gelohnt hat und es tatsächlich nicht schief gegangen ist.
Unsere Erfahrung: Städtische Finanzinstitute sind eher daran interessiert, Unternehmen der Kommune zu fördern, als private.

Heißt?

Das war jetzt wirklich nur ein ganz kleiner Einblick eines großen Ganzen. Schon vor unserer Gründung haben wir uns Informationen eingeholt und uns beraten lassen (wir können es nicht oft genug betonen – auch Danke nochmals an die SIHK). Wie sich Theorie in der Wirklichkeit anfühlt, das weiß man erst danach. Aber an alle Gründer und die, die es noch werden wollen, sei gesagt – es lohnt sich. Jetzt können wir selber noch keine großen Töne spucken, unsere Gründung liegt bis dato nichtmal ein Jahr zurück und wer weiß, was die Zukunft noch bringen wird.

Aber unsere Idee und unser Produkt trotzen unserem Start-Up Image. Unser Auftreten harmoniert mit unserer modernen Denkweise. Das fällt auf, wird anerkannt und „kommt an“. Das macht Mut und lässt die Gewissheit zurück, den Schritt in die richtige Richtung gewagt zu haben, denn

keine Idee wird Erfolg haben, wenn keiner von ihr weiß und sie im Keller versauert!

http://www.kivi.one

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