Digital oder egal?

Virtuell oder lieber greifbar??

Digitalisierung – digitale Transformation – Big Data – Industrie 4.0. Alles Schlagworte, die mehr und mehr in den Vordergrund rücken. Sie alle sind zu einem Begriff zusammen zu fassen – „Modernisierung“. Und „modern“ bedeutet wiederum aktuell. Und was heute aktuell ist, wird in fünf Jahren wieder veraltet sein. Das heißt allerdings nicht, dass das heutzutage „Moderne“ außer acht zu lassen ist, mit dem Gedanken, dass bald erneut etwas Aktuelles und Modernes erscheinen wird. Wer so denkt, bleibt stehen und wird sich zukünftig am Markt ganz schön schwer tun. Aber nichtsdestotrotz haben auch altbewährte und analoge Elemente nach wie vor Ihren Reiz. Ein kleiner Gedankenausflug – kommen Sie mit?

KIVI.one Feverstraße 52 58285 Gevelsberg
Lieber Papier oder Dateien?

Die eigenen vier Wände

Wenn ich mich in meiner eigenen Wohnung mal so umgucke stelle ich fest, ich hab wirklich eine ganze Menge an digitalen Kram bei mir rumstehen. Angefangen beim Fernseher – natürlich ein Flatscreen. Mittlerweile sogar der dritte, meinen ersten hatte ich, als HD ready gerade noch neu war. Darunter stehen weitere technische Geräte – Konsolen und mein Fernseh Receiver. Auf meinem Sofa mein Laptop, in meiner Hosentasche mein Smartphone, ich habe sogar einen digitalen Bilderrahmen. Ich bin voll in der heutigen Zeit angekommen, würde ich mal sagen. Oder doch nicht? Naja, vielleicht nicht ganz. Wenn ich meine Schublade öffne, dann blicke ich auf einen Haufen Spiele für die vergangene und aktuelle Konsolengeneration. Aber halt – DVDs und Blu-rays? Digital Versatile Disc – der Name sagt es doch schon, ein digitales, optisches Speichermedium, zumindest laut Definition. Und die Blu-ray als Nachfolger ist ebenfalls ein solches. Ja – und nein – wie ich finde.

Ich gehe jetzt mal einen Schritt weiter. Videospiele, Musik, Filme, Bücher – alles Medien, deren Inhalte heutzutage komplett digital erhältlich sind. Ich lade meine Spiele aus den jeweiligen Stores oder über Steam, meine Musik kommt von Spotify oder iTunes, Filme kann ich über Netflix und Co beziehen und anstatt Bücher gibt es die eBooks. Total bequem, meist mit einem Klick erhältlich und sofort verfügbar. Extra in den Fachhandel laufen, suchen, sich in Warteschlagen stellen, wieder nach Hause – alles passé. Alles digital und sofort erhältlich, sofern ich das möchte und der Typ dafür bin. „Sofern ich das möchte und der Typ dafür bin“? Wer würde das denn nicht wollen? Ein „Fingerschnipp“ und ich werde unterhalten, praktischer geht es doch gar nicht! Nein, praktischer geht es wohl nicht, aber leidenschaftlicher.

Klar hab ich den neuen Harry Potter – auf meinem eBook Reader

Und die Leidenschaft, von der ich spreche, ist die Leidenschaft des Sammelns, des Vorzeigbaren, des haptisch greifbaren. Ich greife die Überschrift dieses Abschnittes jetzt einfach mal auf. Wenn Sie Bücherliebhaber sind, hätten Sie Ausgaben lieber greifbar in der Hand oder würden Sie dafür ein technisches Gerät bevorzugen? Eine Sammelreihe in einem Bücherregal schindet entsprechenden Eindruck, es sieht gut aus, zeigt die Vollständigkeit und gibt gleichzeitig Auskunft über den entsprechenden Besitzer – ein Ferfechter von Originalen. Asche auf mein Haupt – ich leser eher wenige bis gar keine Bücher. Ich bin mehr der ich-warte-bis-der-Film-kommt-Typ, auch wenn ich mir zu eintausend Prozent sicher sein kann, dass mir im Kontrast zum Schriftstück einiges entgehen wird (Game of Thrones lässt grüßen). Aber jetzt mal angenommen, ich würde lesen – mir wäre es egal, ob Buch oder eBook. Warum? Weil ich in diesem Kontext lediglich den Inhalt konsumieren will, der Rest spielt für mich keine Rolle.

Mit den anderen genannten Medien verhält es sich ähnlich. Filmfreaks wollen Ihre Schätze zeigen, das hebt von der Masse einfach ab. Sich die alten Star Wars Filme aus den Siebzigern per Stream als digital Remaster erneut zu Gemüte zu führen, dass kann jeder. Aber die ersten drei Teile im Original im Schrank stehen zu haben (Han hat zuerst geschossen!) – das kann wohl nicht jeder von sich behaupten. Schallplatten sind unhandlich, können leicht zerbrechen und haben mit den Jahren eventuell an Tonqualität eingebüßt. Aber vor allem sind sie unersetzlich, schwer zu bekommen und mitunter sogar ziemlich wertvoll. Da gehen Sammlerherzen auf. Ich bin da nicht anders. Ich steh auf meine Gaming Special Editions im Steelcase mit Extra-Schnickschnack und zusätzlichen Ausstellstücken für die Vitrine. Auf zweien meiner Spielehüllen habe ich die Originalunterschriften der entsprechenden Spieleproduzenten- und wehe, da geht einer dran! Aber Musik und Filme? Nö, nicht zwingend, da reichen mir wiederum die gestreamten Exemplare.

Im Unternehmensfeld wird digital erwartet

Ich verlasse an dieser Stelle mal den privaten Sektor und schwenke über zum Geschäftsbereich. Kontakt mit Kunden und Lieferanten, Just-in-Time, Zielerfüllung, Zeit ist Geld – Sie wissen Bescheid. Insbesondere die freie Wirtschaft hat berechtigtes Interesse ein bestimmes Ziel zu erfüllen – nämlich Umsatz generieren. Dieser Umsatz dient dazu, den Mitarbeiterstab zu entlohnen, Gewinn zu erzielen und Rücklagen zu bilden, neue Anschaffungen im Sinne des Betriebes zu tätigen und so weiter. Es geht um das Funktionieren an sich, möglichst schnell, möglichst präzise, möglichst günstig, möglichst ertragreich – natürlich alles auf einmal. Und da sind digitale Hilfsmittel unabdingbar. Wenn Sie sich kurz und schriftlich austauschen möchten, dann schreiben Sie entweder eine E-Mail oder eine Kurznachricht – aber keinesfalls einen Brief. Wenn Sie ein Schriftstück zu Papier bringen möchten, dann werden Sie Computer und Drucker wählen – aber wohl kaum eine Schreibmaschine. Zwar ist es in der heutigen und schnelllebigen Zeit etwas besonderes, einen handgeschrieben Brief zu erhalten oder eine Schreibmaschine in den Geschäftsräumen auszustellen – in der reellen Geschäftswelt finden diese Reliquien jedoch nur noch wenig Einsatz.

Das liegt meines Erachtens wiederum daran, dass das Funktionieren im Unternehmensdenken logischerweise über allem steht. Wenn etwas schnell und einwandfrei funktioniert, dann ist das erwartungsgemäß. Wird es jedoch umständlich oder etwas dauert zu lange, dann gibt es Diskrepanzen. Und digitale Hilfsmittel begünstigen nun mal genau diese Schnelligkeit und Funktionalität. Heutzutage sind durch die Verbreitung und die alltägliche Nutzung des Internets kurze Lieferzeiten und schnelle Antworten zur Gewohnheit und somit Standard geworden – alles, was von diesem Standard abweicht, wird abgelehnt.

Nicht-digital muss man sich leisten wollen

Mit dem Verlauf der Zeit haben altbewährte Technologien und Arbeitsweisen also ausgedient und werden von modernen Methoden abgelöst. Ein Unternehmen, das viele Kunden bedient und viele Artikel bietet, ist auf digitale Unterstützung angeweisen – anders ließe sich eine große Auftragsflut gar nicht bewältigen. Im Gegenzug zu privaten Haushalten haben Firmen also weniger Spielraum, sich nicht mit Digitalisierung zu befassen – es sei denn, es passt genau ins Geschäftsmodell.

Fertigprodukte laufen zu tausendfach vom Werk. Günstige Produktion, weil automatisierte Prozesse, ein einziges Mal entworfen, hohe Stückzahlen, erschwinglicher Verkaufspreis – aber ein Stück, wie jedes andere. Soll es individuell werden, dann wird es teurer. Ein neues Design, manuelle Tätigkeiten, dadurch mehr Arbeitsstunden – aber, es wird einzigartig und hebt sich so von der Masse ab. Das findet Anklang – und zwar bei den Personen, denen Individualität und Einzigartigkeit wichtig sind. Daher werfe ich folgende These mal in den Raum: „Nicht-digital muss man sich leisten wollen“.

Persönliches Fazit

Beim Schreiben dieses Beitrages stockte ich mehrfach, schrieb neue Absätze, änderte sie wieder ab oder hab sie letztendlich ganz verworfen. Letztendlich, weil mir der Gedanke „nicht-digital muss man sich leisten wollen“ nicht mehr aus dem Kopf ging. Auf wen trifft das zu? Privat? Unternehmerisch? Beides? Ich lege mich jetzt mal fest und sage: beides – wenn auch mit Abstrichen.

Ich als Privatperson greife auf digitale Inhalte zurück, wenn ich lediglich konsumieren möchte und mit dem nicht-digitalen Pendant nichts verbinde. Hab ich aus eigenem Antrieb jedoch einen Faible für Sachen, die sowohl digital als auch haptisch zu erwerben sind, so werde ich die greifbare Version bevorzugen, eventuellen Mehrkosten zum Trotz. Begeisterung und Passion stehen im Vordergrund.

In der Geschäftswelt sind Begeisterung und Passion mit dem Bestehen des eigenen Unternehmens, der Senkung von Kosten und dem Erzielen von Umsätzen gleichzusetzen. Das Funktionieren an sich hat oberste Priorität. Die Hilfsmittel dieses Funktionierens sind dem Endkunden zwar egal, jedoch hat er eine entsprechende Erwartungshaltung gegenüber Faktoren wie Kaufpreis oder Verfügbarkeit – und diese Faktoren sind häufig nur durch Instrumente der Digitalisierung einzuhalten.

Wie stehen Sie zu diesem Thema? Denken Sie diesbezüglich ähnlich oder haben Sie eine völlig abweichende Meinung? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *